Es war ein kalter Dezembermorgen auf der amerikanischen Frontier, als die kleine Laura Ingalls Wilder voller Vorfreude auf ihren Weihnachtsstrumpf zuschritt. Der Duft von frisch gebackenem Kuchen lag in der Luft, und die Wärme des Kamins schien den Raum zu umarmen. „Mama war den ganzen Tag damit beschäftigt, leckere Sachen für Weihnachten zuzubereiten. Sie backte Sauerteigbrot und ‚Injun-Brot‘, schwedische Cracker und eine große Pfanne Baked Beans mit gesalzenem Schweinefleisch und Melasse“, schrieb sie in ihren Erinnerungen. Laura wusste, dass die Geschenke im Wilden Westen nichts mit den glänzenden Schaufenstern der Großstadt zu tun hatten. Hier, weit weg von den nächsten Geschäften, zählten andere Werte: Mühe, Gemeinsinn und ein nagelneuer Penny, der in ihrem Strumpf glänzte wie ein Schatz.
Bescheidene Wunder unterm Weihnachtsstrumpf
Auf der rauen Frontier war das Schenken eine Kunst der Einfachheit und der Hingabe. Der Weihnachtsstrumpf, der am Heiligabend ans Kaminfeuer gehängt wurde, war das Zentrum der Bescherung. Für die Kinder der Siedler war der Inhalt oft winzig, aber von unschätzbarem Wert. Laura Ingalls Wilder, die berühmte Autorin der „Kleines Haus in der Prärie“-Reihe, erinnert sich an einen Weihnachtsmorgen, an dem sie einen Zinntopf, Pfefferminzbonbons, einen herzförmigen Kuchen und einen nagelneuen Penny fand. Diese kleinen Schätze waren das Ergebnis der Mühe und Liebe ihrer Familie, die den ganzen Tag zuvor mit der Zubereitung der Festlichkeiten verbracht hatte.
Was typischerweise verschenkt wurde
Die Geschenke im Wilden Westen waren oft handgefertigt und von praktischem Nutzen. Monate vor Weihnachten begannen die Vorbereitungen. Spielzeug für die Kinder wurde aus dem gefertigt, was gerade zur Hand war: Maiskolben-Puppen, geschnitzte Holzfiguren und kleine Holztiere. Kleidung war ein weiteres beliebtes Geschenk, denn gestrickte Schals, Mützen und Fäustlinge waren überlebenswichtig in den kalten Wintern. Auch der Haushalt profitierte von bestickten Taschentüchern, Kissen und Duftbeuteln. Süßigkeiten und Gebäck, wie Kekse oder Lebkuchen, waren besondere Leckereien, die nur möglich waren, wenn Zucker und Mehl vorhanden waren.
Bücher: Das Geschenk für Menschen mit Bildungsanspruch
Bücher waren im 19. Jahrhundert ein besonders geschätztes Geschenk, auch jenseits der Frontier. Die sogenannten „Gift Books“ oder „Literarischen Jahrbücher“ waren mit Illustrationen, Gedichten und Essays gefüllt und erfreuten das Auge ebenso wie den Geist. Auf der Frontier, wo Bildung ein Luxus war, galten Bücher als außergewöhnliche Geschenke. Ein zeitgenössischer Kommentator beschrieb den Reiz eines gut gewählten Buches als eine Freude für das Auge, eine Information für den Geist und eine Verbesserung des Herzens.
Eine Geschichte, die man sich erzählt
Man erzählt sich, dass ein einsamer Cowboy an einem verschneiten Weihnachtsabend in einer kleinen Hütte Unterschlupf fand. Der Besitzer der Hütte, ein älterer Mann, hatte nur wenig, doch er teilte sein einfaches Mahl mit dem Fremden. Zum Abschied schenkte der Cowboy dem alten Mann seinen einzigen Besitz: ein kleines, geschnitztes Pferd, das er selbst gefertigt hatte. Der Legende nach trug dieses Geschenk den Geist der Freundschaft und des Teilens weiter, als der Cowboy seinen Weg fortsetzte.
Typische Geschenke im Wilden Westen
- Maiskolben-Puppen: Einfach herzustellen und ein beliebtes Spielzeug für Kinder.
- Gestrickte Fäustlinge: Unverzichtbar für die kalten Wintermonate auf der Prärie.
- Bestickte Taschentücher: Eine persönliche Note für den täglichen Gebrauch.
- Kekse und Lebkuchen: Seltene Leckereien, die mit viel Mühe gebacken wurden.
- Geschnitzte Holzfiguren: Kunstvoll gefertigt und geschätzt als Spielzeug oder Dekoration.
- Ein Buch: Ein wertvolles Geschenk für Bildung und Unterhaltung.
- Nüsse und getrocknete Früchte: Kostbare Geschenke in Zeiten, in denen frisches Obst rar war.
Quellen
- Legends of America – *Christmas on the Old West Frontier*: legendsofamerica.com
- Shannon Selin – *Christmas Gift Ideas in the 19th Century* (2017): shannonselin.com
- Original-Quelldatei: Geschenke im Wilden Westen.docx
- Hirschbiegel · Etrennes institut – Loc: tile.loc.gov
Welches Geschenk hättest du zur Zeit des Wilder Westen gemacht?
Frag den Geschenk-Ninja — und finde heraus, was du heute verschenken würdest.
Teil der Reihe Die Geschichte des Schenkens: eine Zeitreise.
