Geschenktrends 2020: Nähe auf Distanz

Geschenktrends 2020: Care-Pakete für eine Welt auf Abstand

Im Dezember 2020 klang Geschenkpapier anders. Es raschelte nicht nur nach Vorfreude, sondern auch nach Paketklebeband, Zustellbenachrichtigung und der Frage, ob man sich überhaupt sehen darf. Viele Geschenke kamen nicht aus der Einkaufstasche, sondern aus dem Paketwagen. Sie standen vor Wohnungstüren, wurden im Videocall ausgepackt oder als Gutscheincode verschickt. Die Corona-Pandemie prägte das Miteinander, Abstandsregeln veränderten den Alltag.

Trotzdem wurde das Schenken nicht kälter. Im Gegenteil: Es wurde genauer. Ein gutes Geschenk musste zeigen, dass man den neuen Alltag des anderen verstanden hatte. Die Küche war plötzlich voller, das Wohnzimmer wichtiger, die Zeit länger, die Sehnsucht nach gemeinsamem Lachen größer. Wer 2020 schenkte, schenkte oft nicht einfach etwas Schönes, sondern eine kleine Hilfe durch eine ungewohnte Zeit.

So wurde 2020 zum Jahr der Care-Pakete: praktisch, tröstlich, manchmal verspielt, manchmal improvisiert. Ein Puzzle, ein Backset, ein Streaming-Gutschein, eine Pflanze oder ein Headset konnten in diesem Jahr mehr bedeuten als ein großes Erlebnisgeschenk. Denn das eigentliche Geschenk war oft: Ich bin da, auch wenn ich nicht vorbeikommen kann. Ein sollte Zeit füllen, wo Abende lang wurden. Es sollte das Zuhause erträglicher, schöner oder wenigstens ein bisschen abwechslungsreicher machen.

Die wirtschaftlichen Daten erzählen denselben Bruch aus einer anderen Perspektive. Laut Destatis gingen die privaten Konsumausgaben 2020 preisbereinigt um 5,0 Prozent zurück – der stärkste Rückgang seit 1970. Gastronomie, Reisen, Kultur und viele Dienstleistungen brachen ein. Dagegen wurden Lebensmittel, Haushaltsgeräte, Einrichtung, DIY, Spiele und Onlinekäufe wichtiger. Genau diese Verschiebung wanderte in die Geschenkideen: weniger Ausgehen, mehr Zuhause; weniger Event, mehr Beschäftigung; weniger Stadtbummel, mehr Paket.

Deshalb war die Leitfrage des Schenkens nicht: Was ist spektakulär? Sondern: Was hilft dir gerade? Ein Geschenk konnte ein Stück Technik sein, damit Videotelefonie besser funktioniert. Oder ein Brettspiel, damit der Abend nicht nur aus Nachrichten bestand. Oder ein Gutschein für das Lieblingsrestaurant, nicht als sofort einlösbare Einladung, sondern als Versprechen auf die Zeit danach.

Der Zeitgeist: Was die Menschen in diesem Jahr beschäftigte

2020 war das Jahr der Umwidmung. Der Küchentisch wurde Büro. Das Kinderzimmer wurde Klassenzimmer. Das Wohnzimmer wurde Kino, Fitnessstudio und Spielraum. Der Balkon wurde Ersatzurlaub. Und Geschenke wurden zu kleinen Verlängerungen dieses neuen Alltags.

In vielen Haushalten entstand ein neuer Cocooning-Blick: Was macht die Wohnung angenehmer? Was hält die Familie beschäftigt? Was bringt Struktur in Tage, die sich ähneln? Dadurch gewannen Dinge an emotionalem Wert, die früher vielleicht unscheinbar gewirkt hätten: gute Tees, Duftkerzen, Backformen, Gewürzboxen, Zimmerpflanzen, Puzzles, Familienkalender, Yogamatten, Lautsprecher, Streaming-Abos.

Gleichzeitig lag unter vielen Geschenken ein solidarischer Ton. Lokale Gutscheine waren nicht nur Ausweichlösung, sondern auch Unterstützung für Restaurants, Buchhandlungen, Kosmetikstudios oder kleine Läden. 2020 wurde oft nicht das Erlebnis selbst verschenkt, sondern die Hoffnung, dass es wieder möglich wird.

Was 2020 besonders gern verschenkt wurde

Ganz oben standen Gutscheine. Der Handelsverband Deutschland schätzte, dass der Einzelhandel im November und Dezember 2020 mit Gutscheinen rund drei Milliarden Euro Umsatz erzielen würde; Gutscheine gehörten zu den beliebtesten Weihnachtsgeschenken. In diesem Jahr hatten sie eine besondere Logik: Sie ließen sich online kaufen, später einlösen und verhinderten Fehlkäufe in einer Situation, in der Pläne ständig wackelten.

Besonders gefragt waren außerdem Brettspiele und Puzzles. Der Verband Spieleverlage berichtete für 2020 von einem Umsatzplus von 21 Prozent bei Spielen und Puzzles. Das waren ideale Lockdown-Geschenke: analog, familientauglich, wiederholt nutzbar und unterhaltsam genug, um einen Abend zu retten. Ein 1.000-Teile-Puzzle, ein kooperatives Spiel, ein Escape-Room-Spiel für Zuhause oder ein Klassiker wie “Die Siedler von Catan” wurde plötzlich zum Mini-Event im Wohnzimmer.

Auch Geschenke für die Küche und der DIY-Trend rückten nach vorn. Backsets, Sauerteig-Starter, Brotbackformen, gute Messer, Kräutertöpfe, Saatgut, Makramee-Sets, Aquarellfarben oder Strickpakete passten in ein Jahr, in dem Menschen vieles selbst machten. Nicht alles war Hobby-Romantik; manchmal war es schlicht die Suche nach Beschäftigung. Aber genau deshalb waren solche Geschenke stark: Sie gaben den Händen etwas zu tun.

Technikgeschenke gewannen eine fast fürsorgliche Seite. Webcams, Headsets, Ringlichter, Tablets für Videotelefonie, Bluetooth-Lautsprecher, Streaming-Sticks oder Gaming-Guthaben halfen dabei, auf Distanz verbunden zu bleiben. Ein gutes Headset konnte 2020 heißen: Damit wir uns besser hören, wenn wir uns schon nicht sehen.

Und dann war da Gaming. Nintendo Switch, digitale Guthabenkarten und Spiele wie Animal Crossing: New Horizons wurden zu Symbolen einer freundlicheren Gegenwelt. Auf der eigenen Insel konnte man Bäume schütteln, Fische fangen, Freunde besuchen und Dinge gestalten, während die reale Welt pausierte. Als Geschenk war so ein Spiel nicht nur Unterhaltung, sondern ein sozialer Raum.

Handel und E-Commerce: Wie sich das Kaufen veränderte

Der Onlinehandel wurde 2020 zur Geschenk-Infrastruktur. Der Verband bevh meldete, dass der Bruttowarenumsatz im deutschen E-Commerce von 72,6 Milliarden Euro im Jahr 2019 auf 83,3 Milliarden Euro im Jahr 2020 stieg. Mehr als jeder achte Euro der Haushaltsausgaben für Waren floss online.

Damit wurde Geschenkekaufen logistischer. Nicht nur die Idee zählte, sondern auch die Frage: Kommt das Paket rechtzeitig? Kann es direkt zur Empfängerin geschickt werden? Gibt es eine Grußkarte? Wie sicher ist die Rückgabe? Viele Menschen, auch ältere Käufergruppen, lernten Wunschlisten, digitale Gutscheine, Lieferfenster und Paketshops neu kennen.

Der stationäre Handel blieb emotional wichtig, war aber durch Lockdowns und Einschränkungen hart getroffen. Gerade deshalb wurden lokale Gutscheine zu doppelten Geschenken: Sie machten der beschenkten Person Freude und halfen einem Laden, einem Restaurant oder einer Dienstleisterin durch eine schwierige Zeit.

Die Geschenk-Hypes des Jahres 2020

Animal Crossing kennen viele vermutlich noch – ein langsames, freundliches Spiel über Sammeln, Gestalten und Besuchen. Es verlangte keine Hochleistung, sondern Geduld. Genau das passte in eine Zeit, in der viele Menschen nach sanfter Ablenkung suchten.

Auch The Queen's Gambit zeigte, wie Streaming alte Geschenkideen neu aufladen konnte. International berichteten Medien über steigende Schachbrett-Verkäufe nach dem Erfolg der Netflix-Serie. Ein Zeitgeistimpuls: Eine Serie machte ein altes Spiel plötzlich wieder elegant, modern und verschenkbar.

Auch Bananenbrot, Home-Workouts, Zimmerpflanzen und Sauerteig wird man vermutlich oft mit 2020 assoziieren. Wer 2020 ein Kochbuch, eine Pflanze oder ein Puzzle verschenkte, schenkte auch eine kleine Routine gegen den Ausnahmezustand.

Was war 2020 das perfekte Geschenk?

Das perfekte Geschenk im Jahr 2020 kam in einem Paket und lag vor der Wohnungstür. Darin liegen ein Puzzle, eine Tafel Schokolade, ein Gutschein für das Lieblingsrestaurant und eine Karte: „Bis wir wieder zusammen essen können." Gutscheine waren beliebt, Spiele und Puzzles boomten, Gastronomie fiel als Erlebnisort aus, und der Onlinehandel brachte Geschenke an Orte, die man selbst nicht besuchen konnte – sie ergaben ein Geschenk, das als eine Mischung aus Soforthilfe und Hoffnung Freude macht. Das Puzzle funktioniert sofort. Die Schokolade auch. Der Gutschein verschiebt das eigentliche Geschenk in eine bessere Zeit. 2020 war Schenken oft genau das: ein Trost für heute und ein Versprechen für morgen.

Was von diesem Jahr geblieben ist

Geblieben ist die Selbstverständlichkeit des Onlinekaufs. 2020 zwang viele Menschen in digitale Kaufwege, die danach nicht wieder verschwanden. Auch digitale Gutscheine, Direktversand und Wunschlisten wurden normaler.

Geblieben ist außerdem die Idee, dass gute Geschenke nicht groß sein müssen. Ein Spiel, ein Backset, ein Headset oder eine Pflanze konnten mehr ausdrücken als ein teures Erlebnisgeschenk. Kurzfristig waren manche Pandemieprodukte sehr zeitgebunden. Dauerhaft blieb der Gedanke: Ein Geschenk ist stark, wenn es den Alltag eines Menschen wirklich versteht.

Quellen

Erinnerst du dich noch an dein Lieblingsgeschenk 2020? Das Jahr, in dem plötzlich alles anders war.

Frag den Geschenk-Ninja — und finde heraus, was du heute verschenken würdest.


Teil der Reihe Geschenktrends im Wandel der Jahre.