Geschenktrends 2024: Fanmomente, “Preloved”-Schätze und Geschenke mit Ausgehgefühl
2024 fühlte sich anders an als die Jahre davor. Nicht sorglos, aber beweglicher. Die Inflation ging spürbar zurück, Veranstaltungen füllten Stadien, Innenstädte wurden wieder Treffpunkte und Deutschland erlebte mit der Fußball-Europameisterschaft ein Heimturnier, das Kühlschränke, Balkone und Wohnzimmer in kleine Fan-Zonen verwandelte.
Gleichzeitig blieb das Portemonnaie wachsam. Freude ja – aber bitte mit Maß. Dieses Jahr brachte deshalb eine interessante Mischung hervor: Menschen schenkten wieder stärker Erlebnisse, Fanartikel und Dinge für gemeinsame Momente. Aber sie kombinierten die Lust aufs Draußen mit Preisbewusstsein, Nachhaltigkeit und Secondhand.
Die Geschenkidee des Jahres war nicht eine Produktkategorie, sondern ein Gefühl: Teil von etwas sein. Teil eines Konzerts, eines Turniers, einer Lesewelle, einer Sammelleidenschaft, einer Familie, die wieder mehr vorhat.
Die Leitthese des Jahres
Die Leitthese für 2024 lautet: Geschenke wurden wieder sozialer. Nach Jahren, in denen Nähe oft organisiert, verschoben oder digital ersetzt wurde, rückten gemeinsame Erlebnisse, Fanmomente und sichtbare Zugehörigkeit in den Vordergrund. Ein Konzertticket, ein EM-Schal, ein Buch aus der gleichen Lesewelt, ein Spiel für den Abend, ein Beauty-Gutschein vor dem Urlaub – all das passte zu einem Jahr, das mehr Bewegung zuließ.
Die ökonomische Lage blieb aber Teil der Geschenkentscheidung. Destatis meldete für 2024 eine Inflationsrate von 2,2 Prozent. Der HDE berichtete für Weihnachten 2024 von einem durchschnittlich geplanten Geschenkbudget von 297 Euro. Viele Menschen planten ähnlich viel auszugeben wie im Vorjahr; ein Teil reduzierte sein Budget.
In dieser Mischung wurden Geschenke wertvoll, die nicht beliebig wirkten. Secondhand, personalisierte Kleinigkeiten, BookTok-Titel, Konzert-Merchandise oder ein gut gewählter Gutschein hatten einen Vorteil: Sie konnten zeigen, dass jemand aufmerksam war. 2024 wollte nicht nur konsumieren. 2024 wollte Bedeutung.
Der Zeitgeist: Was die Menschen in diesem Jahr beschäftigte
Der Zeitgeist des Jahres hatte zwei Gesichter. Das erste war das Erlebnis: Fußball-Europameisterschaft in Deutschland, große Tourneen, volle Veranstaltungen, Reisen, Gastronomie, Public Viewing und Freundeskreise, die wieder gemeinsame Pläne machten. Der HDE rechnete zur Heim-EM mit zusätzlichen Einzelhandelsumsätzen in Milliardenhöhe, insbesondere durch Snacks, Getränke, Grillwaren und Fanartikel.
Das zweite Gesicht war bewusster Konsum. 2024 war nicht nur ein Jahr des Ausgehens, sondern auch ein Jahr des Abwägens. Secondhand rückte weiter in die Mitte. Laut HDE, Sellpy und Appinio hatten 54 Prozent der Befragten bereits einmal ein Secondhand-Geschenk gemacht. IFH Köln, ECC Köln und eBay berichteten zusätzlich, dass mehr Menschen pre-loved oder refurbished Produkte als Weihnachtsgeschenke planten.
Dazu kam eine neue Selbstverständlichkeit der Plattformwelt. Der Onlinehandel wuchs wieder leicht: Der bevh meldete für 2024 einen Brutto-Warenumsatz von 80,6 Milliarden Euro, nach 79,7 Milliarden Euro im Vorjahr. Social Media wurde stärker als Inspirationsraum. KI spielte bei Weihnachtsgeschenkideen noch eine kleinere Rolle, aber die Richtung war erkennbar: Empfehlungen, Feeds und Algorithmen rückten näher an die Geschenkentscheidung.
Was besonders gern verschenkt wurde
Der Klassiker blieb auch 2024 der Gutschein. Der HDE nannte Gutscheine erneut als beliebtestes Weihnachtsgeschenk, gefolgt von Spielwaren sowie Kosmetik und Körperpflege. Der Gutschein passte zur sozialen Logik des Jahres: Er konnte ein Erlebnis vorbereiten. Ein Restaurantgutschein, ein Kinogutschein, ein Wellness-Termin, ein Konzertzuschuss oder ein Buchhandelsgutschein war kein Ausweichgeschenk, sondern eine Einladung.
Fanartikel waren besonders sichtbar. Zur Fußball-EM gehörten Schals, Fahnen, Trikots, Becher, Grillzubehör, kleine Deko-Sets, Snackboxen und alles, was Wohnzimmer oder Balkon in eine Fan-Ecke verwandelte. Solche Geschenke waren oft nicht groß, aber sie schufen Anschluss. Wer dem Gastgeber eine gute Gewürzmischung, Fanservietten oder einen Flaschenkühler mitbrachte, schenkte Stimmung.
Taylor Swift machte auf andere Weise sichtbar, wie Fan-Kultur Geschenke prägt. Freundschaftsarmbänder, Tour-Shirts, Hoodies, Poster, Vinyl, Merchandising und selbstgemachte Fan-Accessoires wurden zu Geschenken, weil sie Gemeinschaft ausdrückten. Auch ohne Konzertticket konnte man Teil des Rituals sein. Ein Set mit Perlen, Buchstabenwürfeln und elastischem Band war 2024 plötzlich nicht nur Bastelmaterial, sondern Popkultur.
Daneben blieben Bücher, Spiele, LEGO, Beauty und Selfcare stark. BookTok sorgte dafür, dass Romantasy, New Adult, Schmuckausgaben und Reihen mit Sammlerwert stärker als Geschenk funktionierten. Brettspiele und Partyspiele passten zu wiederbelebten Abenden mit Freunden. LEGO und hochwertige Spielwaren sprachen auch Erwachsene an – ein Phänomen, das die Spielwarenbranche zunehmend ernst nimmt.
Secondhand-Geschenke gaben dem Jahr eine weitere Farbe. Eine Vintage-Jacke, ein restaurierter Plattenspieler, ein vergriffenes Buch, eine hochwertige Tasche aus zweiter Hand, ein refurbished Smartphone oder eine gut erhaltene Spielekonsole konnten persönlicher wirken als ein Neukauf von der Stange.
Handel und E-Commerce: Wie sich das Kaufen veränderte
2024 war für den Handel ein Jahr der Stabilisierung. Der Onlinehandel wuchs wieder leicht, aber nicht so, als wäre die Pandemie zurück. Die Menschen hatten gelernt, hybrid einzukaufen: Inspiration auf TikTok, Preisvergleich über Suchmaschinen, Verfügbarkeit im Online-Shop, Abholung im Laden, spontane Käufe in der Innenstadt.
Besonders interessant war die Verbindung von Re-Commerce und Geschenkekauf. Plattformen wie eBay, Sellpy oder refurbished Anbieter machten gebrauchte und aufbereitete Produkte sichtbarer und professioneller. Aus „gebraucht” wurde „pre-loved”, aus „gebrauchtes Handy” wurde „refurbished mit Garantie”. Diese neue Sprache machte Secondhand geschenktauglich.
Gleichzeitig wuchs die Bedeutung von Social Commerce. Nicht jedes Produkt wurde direkt über soziale Netzwerke gekauft, aber viele wurden dort entdeckt. Ein Buchcover, ein Beauty-Produkt, ein Stanley-Becher, ein Brettspiel, ein Basteltrend oder ein Konzert-Outfit konnte über kurze Videos so oft im Feed erscheinen, dass es wie eine persönliche Empfehlung wirkte.
Popkultur, Medien und Hypes
2024 war ein Jahr der großen Fanbühnen. Die Fußball-EM verwandelte Alltagsprodukte in Anlassgeschenke: Snacks, Getränke, Grillzubehör, Trikots, Fahnen, Beamer, Lautsprecher und Picknickdecken wurden Teil eines gemeinsamen Rituals. Für den Geschenkmarkt sind solche Ereignisse wichtig, weil sie klare Situationen erzeugen. Man schenkt nicht abstrakt, sondern für einen Abend, ein Spiel, einen Besuch.
Noch deutlicher wurde diese Logik bei Taylor Swift. Die Eras Tour war nicht nur eine Konzertreihe, sondern ein soziales System mit Outfits, Armbändern, Song-Anspielungen und Merchandising. Mastercard sprach im Zusammenhang mit den Deutschlandkonzerten von einem wirtschaftlichen Effekt auf Ausgaben rund um Reisen, Gastronomie und Übernachtungen. Für Geschenke hieß das: Das Ticket war nur die Spitze. Drumherum entstanden Geschenkideen.
Auch Bücher wurden popkultureller. BookTok machte aus Lesestoff ein Community-Ereignis. Ein Buchgeschenk war dadurch nicht mehr nur die Empfehlung einer Person, sondern manchmal der Eintritt in eine Szene: diese Reihe liest gerade jeder, diese Ausgabe sieht im Regal besonders schön aus, dieses Zitat kennt die Community.
Eine Person oder Szene, die das Jahr erklärt
Eine Person erklärt 2024 besonders gut: Aleshanee Westhoff. Die damals 16-jährige Swiftie aus Emmerich schlug vor, Gelsenkirchen während der Deutschlandkonzerte von Taylor Swift in „Swiftkirchen” umzubenennen. Die Stadt griff die Idee auf, stellte ein entsprechendes Ortsschild auf und machte aus einem Fanvorschlag ein Stadtmarketing-Ereignis.
Für das Thema Schenken ist diese Szene Gold wert. Sie zeigt, wie Fanliebe vom privaten Zimmer in den öffentlichen Raum wandert. Aus einem Musikgeschmack wird eine Reise. Aus einer Reise wird ein Outfit. Aus einem Outfit wird ein Armband. Aus einem Armband wird ein Geschenk. Und aus vielen kleinen Geschenken entsteht ein Ritual, das Menschen verbindet, obwohl sie sich vorher nie getroffen haben.
Das ist die wichtigste Geschenklogik von 2024: Geschenke schaffen Zugehörigkeit. Sie sind Eintrittskarten in kleine Gemeinschaften – in die Fanbase, in den Spieleabend, in die EM-Runde, in die Lesegruppe, in den Freundinnenurlaub.
Was von diesem Jahr geblieben ist
Geblieben ist die Aufwertung des Erlebnisgeschenks. Nach den Krisenjahren war ein gemeinsamer Abend oft stärker als ein weiteres Objekt. Aber 2024 zeigte auch, dass Erlebnisse selten ganz ohne Dinge auskommen. Das Konzert braucht ein Shirt. Der EM-Abend braucht Snacks. Der Buchclub braucht das Buch. Das Geschenk wurde zum Begleiter des Moments.
Geblieben ist außerdem Secondhand als akzeptierte Geschenkform. 2024 verschob sich die Begründung: Nachhaltigkeit blieb wichtig, aber Einzigartigkeit wurde mindestens genauso stark. Pre-loved Geschenke wirkten nicht mehr nur moralisch richtig, sondern oft interessanter.
Kurzfristiger waren einzelne Fanwellen. Nicht jedes Jahr ist EM im eigenen Land, nicht jede Tour erzeugt Swiftkirchen. Aber die Mechanik bleibt: Wenn ein Kulturereignis Gemeinschaft schafft, entstehen darum herum Geschenkideen.
Quellen
- Destatis: Inflationsrate im Jahr 2024 bei +2,2 Prozent, 16.01.2025 – https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2025/01/PD25_020_611.html
- HDE: Weihnachtsgeschäft bleibt trotz schwieriger Rahmenbedingungen stabil, 2024 – https://einzelhandel.de/presse/aktuellemeldungen/14665-weihnachtsgeschaeft-bleibt-trotz-schwieriger-rahmenbedingungen-stabil
- HDE: Gutscheine bleiben beliebtestes Weihnachtsgeschenk, 2024 – https://einzelhandel.de/presse/aktuellemeldungen/14700
- HDE / Sellpy / Appinio: Second Hand-Geschenke weiterhin im Trend, 2024 – https://einzelhandel.de/presse/aktuellemeldungen/14692-second-hand-geschenke-weiterhin-im-trend-nachhaltigkeit-und-einzigartigkeit-praegen-den-weihnachtskauf
- IFH Köln / ECC Köln / eBay: Weihnachten 2024: Pre-Loved-Geschenke statt Billig-Importe – https://www.ifhkoeln.de/weihnachten-2024-pre-loved-geschenke-statt-billig-importe/
- bevh: E-Commerce zurück auf Wachstumskurs, 22.01.2025 – https://bevh.org/detail/e-commerce-zurueck-auf-wachstumskurs
- HDE: Fußball-Europameisterschaft 2024: Einzelhandel rechnet zur Heim-EM mit Umsatz von 3,8 Milliarden Euro – https://einzelhandel.de/presse/aktuellemeldungen/14512-fussball-europameisterschaft-2024-einzelhandel-rechnet-zur-heim-em-mit-umsatz-von-3-8-milliarden-euro
- Stadt Gelsenkirchen: Swiftkirchen ist für Gelsenkirchen Gold wert – https://www.gelsenkirchen.de/de/_meta/aktuelles/artikel/67870-swiftkirchen-ist-fuer-gelsenkirchen-gold-wert
- Mastercard: Swiftonomics: Deutschlandkonzerte der Taylor Swift Eras Tour, 2024 – https://www.mastercard.com/news/europe/de-de/newsroom/pressemitteilungen/de-de/2024/swiftonomics-deutschlandkonzerte-taylor-swift-eras-tour/
- Bitkom: Weihnachtsgeschenke: KI selten Ideengeber, 2024 – https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Weihnachtsgeschenke-KI-selten-Ideengeber
- Börsenblatt: #BookTok sorgt für über 25 Millionen verkaufte Bücher, 2025 über 2024 – https://www.boersenblatt.net/home/booktok-sorgt-fuer-ueber-25-millionen-verkaufte-buecher-368339
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